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Kooperation mit der Dokumentationsstelle Pulverfabrik

 
Seit 2006 findet eine Kooperation der HS Liebenau mit dem Verein „Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e.V.“ statt. Der im Mai 1999 gegründete Verein hat sich als Ziel gesetzt, die Geschichte der in der Zeit von 1941 bis 1945 produzierenden Pulverfabrik auf dem Gebiet der Samtgemeinde Liebenau und des Fleckens Steyerberg zu erforschen und zu dokumentieren.

Am 26.09.07 wurde die Absicht zur Fortsetzung dieser Zusammenarbeit in einer Partnerschaftsurkunde zum Ausdruck gebracht.

Vom 30.10. bis zum 02.11.06 fand in Liebenau ein Gedenktreffen von ehemaligen Zwangsarbeitern der Pulverfabrik Liebenau aus der Ukraine sowie aus Polen und Holland statt. Sie waren einer Einladung von Martin Guse (ehrenamtlicher Geschäftsführer des Vereins „Dokumentationsstelle Pulverfabrik in Liebenau und Steyerberg“) gefolgt. 

An diesem Treffen nahmen auch 16 Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen unserer Schule im Rahmen eines Projektunterrichtes teil. Außerdem waren Schüler der Pennigsehler „Schule am Winterbach“, der Förderschule des Stephansstiftes Borstel, Mitglieder der Jugend-AG der Dokumentationsstelle und eine Schülergruppe aus der Stadt Krolewez (Ukraine) beteiligt. Die Jugendlichen besuchten gemeinsam mit den ehemaligen Zwangsarbeiter/innen das Gelände der ehemaligen Pulverfabrik und erfuhren von ihnen in anschaulichen Berichten, unter welchen unmenschlichen Bedingungen sie damals als junge Menschen fern ihrer Heimat zur Herstellung von Munitionspulver gezwungen worden waren. Die teilweise schon sehr betagten Gäste aus dem Ausland hatten schlimme Erinnerungen an ihre Zeit in der Pulverfabrik. Sie waren aber auch froh und dankbar, dass sich deutsche Jugendliche für ihre Erzählungen und für ihr Schicksal interessierten. Mit Hilfe von Dolmetschern klappte die Verständigung ganz gut.

Einige Teilnehmer der HS Liebenau vereinbarten nach Abschluss des Gedenktreffens mit Martin Guse, sich weiterhin als Arbeitsgruppe 14-tägig zu treffen. Die AG ist u.a. damit befasst, das Gedenktreffen auswerten, um die Ergebnisse auch anderen Interessierten zeigen zu können. Außerdem hat die AG gemeinsam mit Absolventen der Jugendwerkstatt Nienburg, auf dem Schulhof einen Friedensplatz gestaltet.
Um den von der ehemaligen Zwangsarbeiterin Katerina Derewjanko Friedensplatzvor einigen Jahren gepflanzten Friedensbaum – ein Ahorn – ist ein gepflasterter Platz entstanden, dessen Aussehen die Schüler/innen gemeinsam entworfen haben. Denn auf dem Gelände unserer Schule bestand von 1940 bis 1943 das so genannte „Arbeitserziehungslager“ Liebenau. Unter unmenschlichen Bedingungen mussten die Häftlinge des Lagers beim Bau der Pulverfabrik arbeiten. 250 der Häftlinge kamen damals ums Leben. Daran erinnert auch eine Tafel am Haupteingang unserer Schule.


Außerdem hält die AG Kontakt mit der Schülergruppe aus Krolewez. Martin Guse versucht zur Zeit, genügend Fördermittel zu bekommen, um für eine Schülergruppe im Herbst einen Gegenbesuch in die Ukraine zu finanzieren. 

Durch die Mitwirkung an diesen Projekten ist das geschichtliche Interesse einiger Schüler weiter gewachsen. Es hat auch dazu geführt, dass SchülerInnen der AG gemeinsam mit Jugendlichen aus anderen Orten des Kreises Nienburg  an einer Bildungsfahrt nach Polen teilnahmen. Im Mittelpunkt der Reise, die vom Kreisjugendring organisiert worden war, stand ein Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz. Aber auch eine interessante Begegnung mit polnischen Jugendlichen hat bei allen nachhaltige Eindrücke hinterlassen.
Die Kriegs- und Nachkriegszeit stand auch im Mittelpunkt einer Lesung mit der bekannten Kinder- und Jugendbuchautorin Gudrun Pausewang. Auf Vermittlung von Martin Guse kam die Autorin  für 2 Unterrichtsstunden auch an unsere Schule. Vor den 9. und 10. Klassen berichtete die 80-Jährige aus ihrem bewegten Leben und las aus ihrem Buch „Ich war dabei“ vor. Darin schildert sie, durch welche Erfahrungen und Erkenntnisse sie als junges Mädchen von einer Anhängerin der Ideen Adolf Hitlers zu einer überzeugten Gegnerin des Diktators und seiner menschenverachtenden Politik wurde. Die vier Klassen und ihre Lehrkräfte nutzten anschließend noch die Möglichkeit, der Zeitzeugin Fragen zu ihrem Leben und zu ihren Büchern zu stellen, und waren sich am Ende darin einig, Geschichte interessant, anschaulich und hautnah erlebt zu haben.

Schüleraustausch 2008
Schüleraustausch 2009

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